Presse-Kooperation der Branchenpartner zeigt positive Effekte

Interview mit Vorsitzenden von FFN und BKF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinsam stark: Kooperation und intensiver Austausch der Branchenpartner zeigt positive Effekte in verschiedensten Bereichen

Interview mit dem Vorsitzenden des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, Karl-Hans Körner, und dem Vorsitzenden des Bundesverbands Keramische Fliesen e.V., Michael Wester, über die erfolgreiche Kooperation zur Imageverbesserung von Fliese und dem Berufsbild des Fachverlegers

 

Frage: Die Baukonjunktur bleibt auch 2017 stabil, für den Wohnungsbau wird sogar ein Wachstum prognostiziert. Profitiert die Fliese von dieser Entwicklung?

Michael Wester: Derzeit ist keine Abschwächung des boomenden Wohnungsbaus abzusehen. Im vergangenen Jahr, also 2016 stieg der Fliesenverbrauch um +3%. Für das laufende Jahr bestehen gute Perspektiven, weiterhin ein stabiles Wachstum zu erzielen.

Frage: Herr Körner, die Innungsbetriebe müssten vom Bauboom ebenfalls profitieren. Sind ihre Mitgliedsbetriebe mit der derzeitigen Auftragslage zufrieden?

Karl-Hans Körner: Das deutsche Baugewerbe rechnet für 2017 mit einem Umsatzwachstum von rund 5 %. Auch unsere Innungsbetriebe profitieren davon. Die Grundstimmung ist bei sehr guter Auftragslage gut. Viele Betriebe sind für die nächsten Monate mehr als gut ausgelastet.

Frage: Viele Betriebe klagen aber über Preisverfall und Preisdumping?

Körner: Man könnte meinen, alles ist gut. Allerdings wissen wir, dass die Baukonjunktur nicht ewig so bleiben wird und spüren die Konkurrenz anderer Wand- und Bodenbeläge in bestimmten Bereichen sehr deutlich. Der Wettbewerb unter den Verlegern nimmt mittlerweile teils ruinöse Züge an: Meisterbetriebe, die Tariflohn bezahlen, sind im direkten Wettbewerb mit nicht ausgebildeten „Ein-Mann-Betrieben“ chancenlos. Fliesenleger ohne Qualifikation bieten ihre Dienste zu Stundensätzen von deutlich unter 20 Euro an, da sie weder an den Tariflohn noch an den allgemeinverbindlichen Bau-Mindestlohn gebunden sind. Qualifizierte Innungs- und Meisterbetriebe, die ihren Mitarbeitern einen Tariflohn zahlen, Beiträge in die Sozialsysteme abführen und qualifizierten Nachwuchs ausbilden, können mit ihrem Stundenverrechnungssatz von gut 54 Euro nicht mithalten und werden so aus dem Wettbewerb gedrängt. Darüber hinaus sorgt Schwarzarbeit für grob verzerrte Wettbewerbsbedingungen.

Frage: Stichwort Verlegequalität: Was bereitet Ihren jeweiligen Mitgliedern denn derzeit die größten Sorgen?

Körner: Nicht qualifizierte Unternehmen und Schwarzarbeiter bilden nicht aus, so dass mittel- und langfristig nur noch wenig qualifizierte Betriebe mit gut ausgebildetem Personal zu finden sein werden. Dies führt zu einem langsamen, aber sicheren Ausbluten des handwerklichen Mittelstandes, eine der wichtigsten Stützen der deutschen Wirtschaft. Die Leidtragenden sind nicht nur wir Handwerker selbst, sondern vor allem die Bauherren und Verbraucher, die aufgrund mangelnder Kenntnisse mit viel Pfusch am Bau zu leben haben. Es ist daher unsere Aufgabe, Bauherren klar zu machen, dass qualifizierte Leistungen einfach Geld kosten. Dafür bekommen Auftraggeber Fachwissen und Erfahrungen und können sicher sein, dass die ausführenden Handwerker ordentlich bezahlt und auch gut abgesichert sind. Und wenn es eine gute Zeit für bessere Preise gibt, dann jetzt, wo die Nachfrage extrem gut ist.

Wester: Auch wir Fliesenhersteller beobachten die deutliche Verschlechterung der Verlegequalität in den vergangenen Jahren mit Sorge: Perspektivisch bedroht der Qualitätsverlust in der Verlegung die Zukunft der Branche. Denn wie Herr Körner gerade erläutert hat, droht der Fliese aufgrund von Baumängeln ein Imageproblem, von der die Anwendungskonkurrenz profitieren kann, wenn nicht rasch gegengesteuert wird. Aus diesem Grund unterstützen wir die Forderung des FFN zur Wiedereinführung der Meisterpflicht ohne Einschränkungen und tragen auch das Qualifizierungsprogramm „Zert-Fliese“ mit.

Frage: Wie behauptet sich die Fliese denn derzeit gegenüber der Anwendungskonkurrenz?

Körner: Als Fliesenleger meinen wir häufig, die Fliese sei allein auf der Welt, weil wir nur mit Kunden zu tun haben, die sich bereits für die Fliese entschieden haben. Dem ist jedoch nicht so – im Gegenteil: Die Parkett-, Laminat- oder Vinyl-Industrie agieren aggressiv mit großen Budgets im Markt und versuchen gezielt, angestammte Anwendungsbereiche der Fliese zu besetzen. Ein Stichwort ist hier beispielsweise das „Fugenlose Bad“. Elastische Bodenbeläge, z.B. die „Luxury vinyl tiles“ wachsen derzeit geradezu bedrohlich im Markt. Daher müssen wir als Fliesenfachverleger nicht nur unsere Leistung „verkaufen“, sondern machen uns auch stark für die Fliese.

Frage: Wie kann also die Position der Fliese im Wettbewerb gesichert bzw. zukünftig weiter ausgebaut werden?

Wester: Wichtig ist, dass die Fliese in der öffentlichen Wahrnehmung präsent ist und anderen Belagsmaterialein nicht alleine die Bühne überlässt. Und ebenso wichtig ist, dass die optischen und funktionalen Vorzüge der Fliese bei Bauherren und Sanierern in den Fokus gerückt werden, bevor die Entscheidung zugunsten eines anderen Belagsmaterials fällt. Dies gelingt nur über eine hohe Sichtbarkeit in den einschlägigen Print- und Online-Medien der Wohn- und Bauverlage. Genau das leistet die Imagekampagne des BKF beziehungsweise der Qualitätsinitiative Deutsche Fliese.

Frage: Wie lautet die Bilanz des Fachverbands zur mehrjährigen Kooperation bei der der Pressearbeit für Endverbraucher?

Körner: Wir unterstützen die „Deutsche-Fliese“-Kampagne als wichtigste und sichtbarste Endverbraucheraktivität der Branche seit 2008 ideell und finanziell. Das erfolgt aus voller Überzeugung, schließlich werden unsere Betriebe nur beauftragt, wenn der Bauherr sich für Fliesen entscheidet – und nicht fürs Echtholz oder den Teppichboden. Im Rahmen der Zusammenarbeit konnten wir das Ansehen des Fliesenlegerhandwerks mit zahlreichen Interviews und Expertenstatements von Fachverlegern in Wohn- und Baumagazinen verbessern – und Bauherren viele schlagkräftige Argumente liefern, weshalb es sich lohnt, qualifizierte Innungs- und Meisterbetriebe zu beauftragen. Der Vorteil der gemeinsamen Kampagne ist es, dass Hersteller und Handwerker dem Endkunden gegenüber mit einer Stimme sprechen und abgestimmt handeln. Wir müssen uns keine Konkurrenz machen, wer am Ende die längeren Artikel oder ein höhere Auflage in den Medien erzielt hat.

Frage: Und wie lautet die Bilanz unter Ihren Mitgliedsunternehmen, Herr Wester?

Wester: Wir freuen uns, dass es uns in den vergangenen neun Jahren gelungen ist, das Image der Fliese in der öffentlichen Wahrnehmung zum Positiven zu wandeln. Und dass sich langsam herumspricht, dass die Fliese viel mehr kann als Küche und Bad. Wir kommunizieren die gestalterischen Möglichkeiten, funktionalen Vorzüge auch weiterhin – und präsentieren die Designvielfalt und optische Qualität der Fliese weiterhin mit größtmöglicher Sichtbarkeit. Und wir zeigen mit emotional ansprechenden Bildern, wie der neue Wohnstil mit Fliesen aussieht: Optisch hochwertig, zeitlos und zugleich wohnlich. Alleine im Bereich der Printmedien haben wir 2016 über 2900 Veröffentlichungen erzielt, darunter über 100, teils mehrseitige „Hochglanz-Artikel“ in Bauherren-Magazinen. Rechnerisch erreichen wir damit jeden Bundesbürger mehrmals, in der Realität erscheinen die von uns lancierten Berichte in den Tages- und Anzeigenzeitungen von Garmisch-Partenkirchen bis Flensburg.

Frage: Wie sieht die Zusammenarbeit der Verbände bei verlegetechnischen Fragestellungen aus?

Körner: Die Zusammenarbeit zwischen FFN und den im BKF organisierten Fliesenherstellern erfolgt bei technischen Fragestellungen auf der Basis eines engen, partnerschaftlichen Austausches. Bei der Erarbeitung von technischen Merkblättern sind verlegetechnische und produktbezogene Fragen zu berücksichtigen – so steuern Industrie und Verlegeexperten jeweils ihre Erfahrungen und Kenntnisse bei. Umgekehrt fließen die Anregungen der Verleger in den Normierungsprozess neuer Produktnormen ein. So stellen wir sicher, dass möglichst viele Aspekte bei der Normung und in den Merkblättern Rechnung getragen wird. Aus diesem Grund besitzen die Merkblätter des FFN europaweit einen Vorzeigecharakter.

Frage: Welche Themen stehen momentan ganz oben auf Ihrer Agenda?

Körner: Ganz klar: Wir kämpfen weiter für die Wiedereinführung der Meisterpflicht. Derzeit finden wir mit dieser Forderung zunehmend Gehör in der Politik. Zahlreiche Politiker sehen mittlerweile ein, dass mit der Abschaffung der Meisterpflicht in unserem Handwerk ein Fehler gemacht wurde. Leider ist es aber nicht möglich, einfach die Schraube zurückzudrehen: Auch wenn die Meisterpflicht zurückkommen sollte, wird es einen Bestandsschutz für die Betriebe geben, die keine Qualifikation nachweisen können. Daher setzen wir seit längerem nicht nur auf die Rückführung in die Handwerksordnung, sondern haben vor über drei Jahren unser Qualifizierungsprogramm „Zert-Fliese“ gestartet. Damit wollen wir dokumentieren, dass unsere Mitgliedsbetriebe auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihres Know-hows setzen. Fast 500 Betriebe machen mit, sind bereits zertifiziert bzw. kurz davor. An diesem Punkt arbeitet die gesamte Branche eng zusammen. Das Qualifzierungsprogramm wird nicht nur von uns, vom FFN, sondern auch vom Bundesverband Keramische Fliesen e.V. und dem Bundesverband des Deutschen Fliesenfachhandels e.V. mitgetragen, die ebenso wie unsere über 30 Partner Seminare anbieten. Dafür sind wir sehr dankbar, denn es ist ein Zeichen, dass Hersteller, Händler und Zulieferindustrie auf das qualifizierte Handwerk setzen. Nur dann kommen die Vorzüge der Fliese wirklich zum Vorschein.

Wester: Uns ist bewusst, dass Fliese nur durch eine fachgerechte Verlegung ihre Wirkung entfalten kann. Daher liefern wir nicht nur schöne Optiken, sondern auch Produkte in bester Qualität und hoher Maßhaltigkeit, damit die Verlegung gelingen kann. Bei Großformaten ist die Rektifizierung in deutschen Werken Standard. Qualität bezieht sich aber auch das Thema Trittsicherheit, sprich: Wo R9 drauf steht, ist auch R9 drin! Wir sind uns zudem unserer Verantwortung für die Umwelt bewusst. Daher legen wir bei der Herstellung Wert auf höchste Umweltstandards und führen für unsere Produkte die europäisch harmonisierte EPD des Instituts Bauen und Umwelt (IBU).

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