Fliesenlegerhandwerk, IG BAU und SPD sprechen über die Wiedereinführung der Meisterpflicht

(v.l.n.r.) Heinz Masjosthusmann (Baugewerbeverband Westfalen), Dietmar Schäfers (IG BAU), Jürgen Kuhlmann und Karl-Hans Körner (Fachverband Fliesen und Naturstein) sowie Rudolf Voos (Zentralverband Deutsches Baugewerbe)

 

Das Baugewerbe will zurück zur Meisterpflicht.

In Dortmund stellten Vertreter der Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt und des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband Deutsches Baugewerbe der SPD-Beauftragten für Mittelstand und Handwerk Sabine Poschmann ihre Forderung zur Wiedereinführung der Meisterpflicht vor. „Grundsätzlich stehen wir einer Wiedereinführung der Meisterpflicht in bestimmten Handwerksberufen offen gegenüber. Dies betrifft nicht nur das Baugewerbe, ich denke da zum Beispiel auch an die Schilder- und Lichtreklamehersteller. Im Vordergrund einer solchen Änderung müssen Verbraucherschutzinteressen und eine deutliche Steigerung der Ausbildungsleistung stehen. Zunächst jedoch gilt es zu klären, wie eine verfassungskonforme Anpassung der Berufszulassungsregelungen gewährleistet werden kann. Zudem brauchen wir eine gute Lösung für die Unternehmen, die derzeit ohne Meisterbrief am Markt agieren“, lautete das Fazit der Bundestagsabgeordneten Poschmann.

Seit Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004 sei Anzahl der Betriebe extrem angestiegen, monierten die Vertreter des Fliesenlegerhandwerks und der IG BAU, von 12.401 auf heute über 72.000 Betriebe. Die Zahl der Auszubildenden sank von 3.029 Auszubildenden im Jahr 2004 auf 2.209 im Jahr 2015 (-27 %). Gleichzeitig ging die Zahl der Meisterprüfungen von 423 zurück auf nur noch 114 bestandene Prüfungen (-73 %).

„Die Zahlen sprechen für sich. Viele zuvor florierende Betriebe mit qualifizierten Fachkräften konnten dem Unterbietungswettlauf mit den Dumpinganbietern nicht Stand halten, mussten langjährige Mitarbeiter entlassen oder aufgeben,“ erklärte Karl-Hans Körner, Vorsitzender des Fachverbandes Fliesen und Naturstein im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. „Durch die fehlende Meisterqualifikation tummeln sich auf deutschen Baustellen Soloselbstständige zuhauf, die sich auch als Kolonnen für Bau- und Ausbauarbeiten aller Art verdingen. Scheinselbständigkeit und Schwarzarbeit halten verstärkt Einzug in die Branche“, ergänzte Dietmar Schäfers, stellvertretender Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Die Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht gewinnt an Dynamik. Jüngst stießen die IG BAU und die Arbeitgebervertreter des Baugewerbes bei Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel und bei CDU-Generalsekretär Peter Tauber mit ihrer Forderung zur Wiedereinführung der Meisterpflicht auf offene Ohren. Sie sagten zu, die Wiedereinführung der Meisterpflicht prüfen.

Der Baugewerbeverband Westfalen mit Sitz in Dortmund vertritt 1.948 Bauunternehmen, in denen rund 21.000 Arbeitnehmer beschäftigt sind.

 

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