Graft Therme in Delmenhorst


ein Beitrag der Firma Schomburg

 Im Jahr 2008 wurde mit dem Beginn der Planungsarbeiten für den Neubau des derzeit größten Erlebnisbades im Nordwesten Deutschlands, der „Graft Therme“ in Delmenhorst begonnen. Die Planung und Bauleitung hatten „de witt janßen partner - Architekten und Ingenieure“ aus Bad Zwischenahn übernommen.

Neben Angeboten für den Schul- und Vereinssport sollten interessante und kurzweilige Spiel- und Aufenthaltsflächen im Erlebnis- und Freizeitbereich, sowie attraktive Angebote der Entspannung im Wellness- und Saunabereich unter einem Dach bereitgestellt werden. Im September 2009 begannen mit dem 1. Spatenstich die Bauarbeiten des neuen Erlebnisbades. Bis jedoch die Fliesenleger das 1. Mal Hand anlegen konnten, sollte noch mehr als ein Jahr vergehen.

 Die Estrich-, Putz-, Abdichtungs- und Fliesenarbeiten wurden in zwei Lose unterteilt, um die anstehenden Arbeiten in den dafür zur Verfügung stehenden 7 Monaten Bauzeit bewältigen zu können. Ein Los erhielt die Arge „Baukeramik Isenburg GmbH“ aus Emden sowie „Fliesen Weber GmbH“ aus Zeven. Das zweite Los ging an die „Baurep GmbH“ aus Neubrandenburg.

Das Zusammenspiel aller Fliesenlegerbetriebe war vorbildlich. Durch den Einsatz eines einheitlichen Abdichtung- und Verlegesystems konnten sich die Firmen mit den an der Baustelle vorrätigen Materialien untereinander aushelfen und so wertvolle Zeit für eventuelle Nachlieferungen einsparen. Insgesamt wurden 5.400 m² Wand- und Bodenflächen abgedichtet, der überwiegende Teil davon mit der flexiblen Dichtungsschlämme Aquafin®-2K/M.

In den Beckenkonstruktionen aus WU-Beton wurde keine zusätzliche Abdichtung vorgenommen. Die Abdichtung beginnt auf den Beckenköpfen und verläuft direkt unter dem keramischen Belag bis zu den Boden- und Wandflächen der Beckenumgänge und angrenzender Nassräume. Um Fehlerquellen so gering wie möglich zu halten, wurden die Ausführungsbetriebe von Beginn an bis zur Fertigstellung des Gewerkes durch Anwendungstechniker von Schomburg begleitet. Neben gemeinsamen Untergrundprüfungen wurden die verschiedenen Arbeitsschritte vor Ort besprochen und an die örtlichen Bedingungen angepasst.

Während der Bauphase kamen auch Neuentwicklungen von Schomburg zum Einsatz. So konnten zum Beispiel die Planer und Verarbeiter von den innovativen Eigenschaften der neuen, reaktiv abbindenden und selbstvernetzenden, flexiblen Dichtungsschlämme AQUAFIN®RS 300 begeistert werden. Diese kam witterungsbedingt auf dem Beckenkopf des Außenbeckens zum Einsatz. Durch die schnellere Trocknung gegenüber den herkömmlichen flexiblen Dichtungsschlämmen, besonders auch unter ungünstigen Trocknungsbedingungen, wie kühlen Temperaturen oder hoher Luftfeuchtigkeit konnte durch den Einsatz der neuen Dichtungsschlämme des ostwestfälischen Baustoffspezialisten ein schnellerer Baufortschritt erreicht werden. Das Verkleben der Dichtbänder und Formteile untereinander sowie an kritische Anschlussdetails wurde ebenfalls mit Aquafin®-RS 300 vorgenommen. Denn häufig trocknet das verwendete Abdichtungsmaterial sehr langsam in den Überlappungsbereichen, was eine Bauzeitverlängerung zur Folge haben kann oder bei zu früher Wasserbelastung zu Undichtigkeiten führt.

 Die Trocknungszeiten der Abdichtung konnten um über 50% und in Teilbereichen, wie zum Beispiel im Bereich der Abdichtung an Einbauteilen, sogar um bis zu 90 % reduziert werden. Haftzugmessungen belegten, dass diese flexible Dichtungsschlämme sogar zwischen zwei nicht saugenden Flächen, wie Edelstahlflansch des Einbauteils und Dichtmanschette, bereits nach zwei Tagen durchgetrocknet war und der Abriss bei der Messung in der Dichtmanschette erfolgte.

Durch die Überschreitungen der zulässigen Maßtolleranzen der Beckenkonstruktion an den Beckenwänden haben die Fliesenleger zusätzlich zu ihren ausgeschriebenen Leistungen auch noch die Herstellung der für das Fliesengewerk notwendigen Maßtolleranzen des Untergrundes übernommen. Da die Becken ursprünglich nicht zur Abdichtung vorgesehen waren, mussten die Ausgleichsarbeiten mit einem für den Unterwasserbereich geeigneten Mörtel ausgeführt werden. Hier kam das PCC-Mörtelsystem Asocret®-FM40 zum Einsatz, mit welchem Maßtolleranzen von bis zu 50 mm ausgeglichen wurden. Durch den Einsatz des Betonersatzsystems wurde zusätzlich auch noch die Bewehrung der Betonkonstruktion vor chlorhaltigem Wasser geschützt.

 Nach Beendigung der Abdichtungs- und Ausgleichsarbeiten wurden die Fliesen der Deutschen Steinzeug Keramik GmbH im Becken (ca. 2.800 m²) und in den angrenzenden Flächen wie Umgänge, Duschen, Umkleiden  (ca. 7.500 m²) überwiegend mit Lightflex® im Dünnbett verlegt. Durch vorhandene Schwindvorgänge der Betonkonstruktion besteht durch Scherkräfte zwischen dem Beton und dem verlegten starren keramischen Belag das Risiko für Schäden. Daher kam hier der hochflexible, kunstoffvergütete Dünnbettmörtel Unifix®-2K zum Einsatz, der sich bereits seit Jahrzehnten bei derartigen Anwendungen bewährt hat. Mit diesem Dünnbettmörtel, der nach der Verformbarkeitsprüfung (Scherprüfung) gemäß DIN 18156 geprüft ist und die Mindestanforderung von 0,3 mm Scherweg mit erreichten 1,3 mm um das vierfache übertroffen hat, ist eine Verlegung der Fliesen im Dünnbett auf einer Betonkonstruktion je nach den örtlichen Bedingungen bereits ab ca. 4 Wochen nach Herstellung möglich. Trotz des Alters der Beckenkonstruktionen von mehr als 6 Monaten zum Zeitpunkt der Verlegung des keramischen Belages, wurde für die Verlegung der Keramik auf dem Beckenböden dieser überdurchschnittlich hoch flexible Dünnbettmörtel ausgeschrieben. Der Grund dafür sind die schlechteren Trocknungsmöglichkeiten der Beckenböden gegenüber den Beckenwänden, da diese an den Unterseiten erdberührt sind und somit eine Trocknung nur nach oben stattfinden kann. Während der Standzeit der Beckenkonstruktion bei noch fehlender Gebäudehülle bzw. noch nicht geschlossener Dachkonstruktion kann eine Beaufschlagung der Betonoberfläche mit Niederschlägen und damit die Bildung eines Wasserfilms auf dem Beckenboden, der zum „Aussetzen“ der Schwindvorgänge im Beton führt, nicht ausgeschlossen werden. Da der Zeitpunkt für das Erreichen der Belegreife mit Fliesen und Platten im Dünnbett auf den Beckenböden den Bauzeitenplan hätte nicht erfüllen können, war der Einsatz des hochflexiblen, kunststoffvergüteten, mineralischen Dünnbettmörtel Unifix®-2K eine ideale Entscheidung.

Als Fugenmörtel kam die HF05-Brilantfuge zum Einsatz. Dieser Fugenmörtel für Fugenbreiten von 3 - 20 mm, erfüllt die Anforderungen CG2 nach DIN EN 13888. Er ist für die Verfugung von Wand- und Bodenflächen im Innen – als auch im Außenbereich geeignet. Durch das dichte Mörtelgefüge ist eine erhöhte Beständigkeit gegenüber Reinigungs-chemikalien gegeben. Durch die verringerte Wasseraufnahme und der Pilzresistenz ist HF05-Brillantfuge daher ideal für den Unterwasserbereich geeignet.

In der Grotte des Erlebnisbeckens erfolgte die Verfugung des 1 x 1 cm kleinen Mosaiks mit Asodur®-Design, einem zweikomponentiger Epoxidharz-gebundenen Klebe- und Fugenmörtels. Durch die schmalen Fugen sowie dem kastanienfarbenden Mosaik fiel die Entscheidung auf Asodur®--Design. Mit 18 brillanten Farben und der Möglichkeit durch Glitterzugaben noch weiter zu variieren wird die Fuge effektvoll aufgewertet. Die Fuge ist schwind- und rissfrei aushärtend und für Fugenbreiten von 1mm bis 7 mm verwendbar.

Der eng bemessene Bauzeitenplan erforderte ein gutes Zusammenspiel zwischen Planer/Bauleitung, Handwerkern und Materiallieferanten. So waren zeitweise bis zu 60 Fliesenleger auf der Baustelle im Einsatz. Durch große Anstrengung und der guten Koordination der Beteiligten konnte nach fast zwei Jahren Bauzeit die Graft Therme in Delmenhorst am 26. August 2011 eröffnet werden.

Die Graft Therme bietet den Gästen drei Tarifzonen (Sportbad, Freizeitbad, Wellness- und Saunabereich). Die weit gespannten Foliendächer erlauben ein natürliches „Bräunen“ während des Aufenthaltes im Gebäude. Der Sportbad-bereich bietet durch das 400 m² große Sportbecken (25m-Becken), das 80 m² große Kursbecken mit Hubboden und dem Sprungturm mit dem 90 m² großen Tauchbecken und einer Wassertiefe von bis zu 6,0 m auch Möglichkeiten der Nutzung durch Schulen und Vereine. Desweiteren erwartet den Badegast noch ein 190 m² großes ganzjährig betriebenes 25-m- Sportfreibecken im Außenbereich mit vier Schwimmbahnen, ein 370 m² großes Erlebnisbecken, ein 40 m² großes Kinderplanschbecken und eine Rutschenanlage, die in ein Außenwarmbecken mündet. Zu dem insgesamt gut 1.850 m² großen Saunabereich gehören eine innenliegende Sauna, die Saunaterrasse mit dem Übergang zum „Saunadorf“, sowie das Gesundheitsbad. Im Außenhof des Saunabereiches befindet sich ein 50 m² großes Entspannungsbecken, welches mit Solewasser gespeist wird und ein 40 m² großes Kalttauchbecken. Das neu geschaffene Freizeitbad bietet insgesamt 1.540 m² Wasserfläche.